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03.11.2009

Sieben Noriker sterben an Weidekrankheit

Im nordrhein-westfälischen Büren sind sieben Noriker-Kaltblutstuten und -Fohlen mit großer Wahrscheinlichkeit an der so genannten Atypischen Weidemyopathie verendet.

Noriker
Bild: Wikipedia

„Es ist scheußlich zu sehen, wenn ein Pferd so qualvoll eingeht. Da gefriert einem das Blut in den Adern“, beschreibt Ulrike Brücker vom Noriker-Gestüt Borkenhagen den tragischen Verlust ihrer Tiere. Als sie und Gestütsinhaber Erwin Borkenhagen vergangene Woche die 13 Stuten und Fohlen von der Weide holten, zeigten alle mehr oder weniger schwere Vergiftungserscheinungen. „Eine ältere Stute konnte schon nicht mehr laufen, und wir mussten sie mit dem Hänger in den Stall holen“, so Brücker. Sieben Pferde starben innerhalb von drei Tagen, für das Gestüt ein erheblicher Verlust. Ulrike Brücker: „Unsere komplette Nachzucht von diesem Jahr ist tot.“
 
Zuerst hatten die Züchter an eine Vergiftung ihrer Pferde durch Tierquäler gedacht. Sogar die Polizei ermittelte in dem Fall. Nach Auswertung der ersten Laborergebnisse geht der zuständige Tierarzt aber davon aus, dass die Pferde sehr wahrscheinlich der seltenen Atypischen Weidemyopathie erlagen. Die Symptome dieser Muskelkrankheit ähnelten denen einer Vergiftung. Erkrankte Tiere zeigen plötzliche Steifheit, Muskelzittern, schwankenden Gang, Schweißausbrüche, gering- bis hochgradig gerötete Schleimhäute und erhöhte Puls- und Atemfrequenz. Die Atmung kann erschwert sein. Nach jetzigen Erkenntnissen nehmen die Pferde über Weidepflanzen ein Gift auf, das dort nach einem Kälteeinbruch entstehen kann. Die Krankheit tritt daher auch ausschließlich im Winterhalbjahr auf. Über 90 Prozent der Fälle verläuft tödlich.
 
Nach den genauen Hintergründen der Atypischen Weidemyopathie wird aktuell intensiv geforscht. Tierärzte der Universität Bern (Schweiz) fanden heraus, dass das Bakterium Clostridium sordelli die Krankheit verursacht. Diese Bakterie, die praktisch überall im Boden vorkommt, vermehrt sich im Innern des Pferdes sehr schnell und setzt dort einen Giftstoff frei. (siehe Pegasus – freizeit im sattel 11/09, Seite 73). Forscher der Universität Lüttich (Belgien) fanden bei einer Studie heraus, dass Jungpferde über vier Monate, aber unter drei Jahren, die im Herbst oder Frühling auf einer feuchten oder abschüssigen Koppel mit einem natürlichen Bachlauf stehen der größten Gefahren unterliegen an der Weidemyopathie zu erkranken.
 
Ulrike Brücker hofft, dass ihre überlebenden Pferde die Krankheit unbeschadet und ohne Spätfolgen überstehen und dass sie nicht wieder auftritt. Vorbeugend die Tiere zu schützen, ist auf Grund der noch unklaren Ursachen allerdings kaum möglich. „Die Pferde kommen jetzt erstmal auf Weiden näher am Haus, und wir werden sie auch später morgens rausstellen. Aber man hat keine wirklichen Anhaltspunkte, worauf man zu achten hat, es ist leider eine sehr heimtückische Krankheit.“  - md - 

 



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